Auch wenn diese Homepage namentlich nur um Phasmatodea handelt, möchte ich diese Seite nutzen um etwas über Mantiden zu schreiben.
Zum einen, weil sich Mantiden und Phasmiden in einigen Punkten relativ ähneln, zum anderen, weil ich selbst auch ein Mantidenhalter bin.
Phyllocrania Nymphe Miomantis Nymphe
Zunächst zu den Mantiden allgemein. Ich gehe in dem Text nicht mehr auf alle Fachbegriffe ein, da diese im Phasmidenteil bereits erklärt werden.
Wie schon erwähnt gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Mantiden und Phasmiden. Es entwickeln sich sowohl die Phasmatodea als auch die Mantodea hemimetabol, also ein Wachstum durch Häutungen ohne Puppenstadium. Dabei benötigen die Weibchen meist 1-2 Häutungen mehr als die Männchen. Die Exuvien werden bei den Mantiden allerdings nicht gefressen.
Auch der bei Phasmiden vorkommende Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist bei den Mantiden teilweise stärker ausgeprägt. So wird das Männchen von Hymenopus coronatus beispielsweise durchschnittlich 30mm groß, während das Weibchen eine Größe von über 58mm erreicht.
Neben den Größenunterschieden besitzen die Männchen meist längere Flügel und eine schlankere Gestalt. Oft sind auch nur die männlichen Mantiden flugfähig während die Weibchen die Flügel nur im Drohverhalten verwenden. Dabei werden die Flügel hochgeklappt und die oft schillernd gefärbten Innenflächen kommen zum Vorschein. Außerdem werden die Fangarme seitlich an den Kopf gewinkelt und offenbaren so die ebenfalls meist auffallend gefärbten Innenseiten der Schenkel. Manche Arten können zusätzlich noch Zischlaute von sich geben. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, bei denen sich die Tiere bei Bedrohung mit angezogenen Beinen fallen lassen und Tod stellen.
Eine weitere Gemeinsamkeit zu den Phasmiden ist die Tarnung, So gibt es auch bei den Fangschrecken Arten, die nahezu perfekt Rinde, Äste, Blätter oder Blüten nachahmen. Hier findet sich allerdings auch ein Unterschied. Während bei den phytophagen Phasmiden diese Tarnung rein zum Schutz vor Fressfeinden dient, nutzen die carnivoren Mantiden diese primär zur Lauerjagd. Durch ihre Verschmelzung mit der Umgebung werden sie von potentiellen Beutetieren nicht erkannt und können diese im richtigen Moment fangen. Der Fangschlag erfolgt dabei in 50-70 ms. Neben anderen Insekten werden gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie Frösche, Chamäleons, Mäuse oder Schlangen von größeren Mantiden erbeutet. Tiere bis zur eigenen Körpergröße werden als Beute angesehen und gefangen. Dabei wird auch meist nicht vor Artgenossen halt gemacht. Selbst bei eigentlich nicht aggressiven Arten, die laut Erfahrungsberichten auch als adulte Tiere in Gruppen gehalten werden können, kann dies bei mangelhafter Versorgung mit Futtertieren vorkommen.
Der Mythos, Mantiden Männchen würden bei der Paarung gefressen ist nur halbwahr. Natürlich kommt es auch in der Natur immer mal wieder vor, dass ein Männchen unvorsichtig ist und vom Weibchen gepackt werden kann. Allerdings ist dies nicht der normal-typische Ablauf. Die Männchen bezirzen bei den meisten Arten die Weibchen, so dass diese für die Kopulationsdauer wie hypnotisiert sind. Dadurch kann sich das Männchen nach der Paarung weit genug vom Weibchen entfernen. Im natürlichen Lebensraum gibt es generell genügend Platz für eine Flucht beziehungsweise Versteckmöglichkeiten. Bei einer Paarung in Gefangenschaft sollte man daher darauf achten den Tieren nicht zu wenig Raum anzubieten. Eine gute Methode ist es, die Mantiden offen im Raum auf einer Pflanze oder einem Ast zu verpaaren. So hat man die Tiere immer optimal im Blick und das Männchen kann sich gut vom Weibchen absetzten. Ein Nachteil bei dieser Methode ist, dass die Paarung mitunter mehrere Stunden dauern kann und man im diesem Falle die komplette Zeit auch dabei sein müsste um nicht später auf große Mantidensuche gehen zu müssen. In diesem Fall empfiehlt sich ein großes Terrarium mit genügen Raum.
Unabhängig ob sie verpaart wurde bildet das Weibchen einige Zeit nach der Imaginal -Häutung Eier und legt diese in einer Oothek ab. Die Oothek besteht aus einem eiweißreichen Sekret in welches die Eier mittig eingebettet sind. Bei einer vorhergegangenen Paarung und Befruchtung der Eier schlüpfen die Nymphen nach durchschnittlich 3-7 Wochen. Eine Paarung reicht durch die Speicherfähigkeit der Weibchen meist für alle in ihrem Leben produzierten Ootheken. Die Zahl der Ootheken ist wie die Anzahl der Eier in ihnen sehr Artspezifisch und variabel. Je nach Art werden zwischen 3 und 15 Ootheken gelegt, die zischen 10 und über 100 Eier beherbergen können. Es gibt bisher nur wenige Arten, bei denen eine Parthenogenetische Vermehrung nachgewiesen werden konnte.
Die kleinen Nymphen sind nach dem Schlupf oft nur wenige Millimeter groß und betreiben oft Ameisenmimikry. Anfänglich fressen sie Springschwänze und Drosophila Fliegen. Dabei kann man schon gut die räuberischen Fähigkeiten der Tiere beobachten. Die kleinen Miomantis Nymphen zum Beispiel fangen trotz ihrer Größe von 3-5 mm die nahezu gleich großen Fruchtfliegen.
Die Haltung von Mantiden ist je nach Art sehr verschieden. Es gibt einige Arten die hervorragend bei Zimmertemperatur und Zimmerhelligkeit gehalten und nachgezüchtet werden können. Andererseits gibt es aber auch viele Arten, die spezielle Wärme-, Licht, oder Feuchtigkeitsanforderungen haben. Die Arten der bodenlebenden Gattung Eremiaphilia benötigt beispielsweise sehr hohe Bodentemperaturen und kommen ohne jegliches Sprühen aus.
Daher kann man allgemein zur Haltung nicht sehr viel sagen, sondern muss sich über die Arten speziell erkunden. Aus diesem Grund will ich jetzt hier auch keinen allgemeinen Teil zur Haltung angeben sondern habe auf den entsprechenden Infoblättern die Haltungsbedingungen einiger Arten angegeben.
Infoblätter:
Ein guter Allgemeiner Teil zur Mantidenhaltung mit Tipps zum Terrarium und der Beleuchtung findet man in Buch : Mantiden : Faszinierende Lauerjäger von Heßler & Bischoff. Genauer aufgeführt unter Links & Literatur.